Haarausfall bei Frauen: Die Rolle der Hormone und was Sie tun können

Behandlung von hormonell bedingtem Haarausfall

Hormone spielen eine entscheidende Rolle in Ihrem Wachstum und Ihrer Entwicklung – und das gilt auch für Ihr Haar. Es ist daher keine Überraschung, dass hormonelle Veränderungen Haarausfall bei Frauen auslösen oder begünstigen können.

Der weibliche androgenetische Haarausfall (FPHL, Female Pattern Hair Loss) ist die häufigste Form des Haarausfalls bei Frauen. Schätzungsweise 55 % der Frauen über 80 Jahre sind davon betroffen. FPHL wird durch eine Kombination aus hormonellen und genetischen Faktoren verursacht. Doch dies ist nicht die einzige Art von Alopezie, die durch hormonelle Einflüsse entsteht.

Haben Sie bemerkt, dass Ihr Haar dünner wird oder verstärkt ausfällt? Hormonelle Schwankungen könnten der Grund sein – doch keine Sorge, es gibt Wege, dem entgegenzuwirken! In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Hormone ein und zeigen Ihnen, welche eine Schlüsselrolle beim Haarausfall spielen.

Sie erfahren, wann hormonell bedingter Haarausfall besonders häufig auftritt, welche anderen Faktoren Ihr Haarwachstum beeinflussen und welche Schritte Sie unternehmen können, um Ihre Haare zu stärken und ihre natürliche Schönheit zurückzugewinnen.

Welche Hormone verursachen oder tragen zu weiblichem Haarausfall bei?

Dihydrotestosteron (DHT)

Dihydrotestosteron ist ein männliches Sexualhormon (Androgen), das jedoch auch im weiblichen Körper produziert wird – allerdings in deutlich geringeren Mengen als bei Männern. Das erklärt, warum der weibliche androgenetische Haarausfall (FPHL) seltener vorkommt als der männliche Haarausfall.

Trotzdem ist DHT der bedeutendste hormonelle Faktor bei der Entstehung von FPHL. DHT bindet sich an Androgenrezeptoren in den Haarfollikeln und bewirkt, dass diese kleiner werden. Dieser Prozess der Miniaturisierung führt letztendlich dazu, dass die Follikel keine Haare mehr produzieren können.

Experten-Tipp:

Um die Wirkung von DHT zu minimieren, können spezielle topische Lösungen wie Minoxidil oder DHT-blockierende Shampoos eingesetzt werden. Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, das Fortschreiten des Haarausfalls zu verlangsamen.

Cortisol: Das Stresshormon

Cortisol, ein Steroidhormon, reguliert die Stressreaktion des Körpers. Studien zeigen, dass erhöhte Cortisolspiegel mit Haarausfall in Verbindung stehen. Chronischer Stress kann zu einer Form des Haarausfalls führen, die als Telogen Effluvium bekannt ist. Diese Art des Haarausfalls ist diffus und tritt oft nach belastenden Ereignissen wie Trauer, Verlust oder anhaltendem emotionalen Druck auf.

Experten-Tipp: Stressmanagement durch Techniken wie Meditation, Yoga oder Achtsamkeitsübungen kann helfen, Cortisolspiegel zu senken und den Haarausfall zu verringern.

Schilddrüsenhormone: Schlüsselspieler im Haarwachstum

Schilddrüsenerkrankungen sind eng mit Haarausfall verbunden. Sowohl eine Überfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) können diffusen Haarausfall auf der Kopfhaut, am Körper und im Gesicht verursachen.

  • Eine Unterfunktion kann das Haar brüchig und stumpf machen, während eine Überfunktion die Haarstruktur schwächt.
  • Schilddrüsenhormone beeinflussen verschiedene Arten von Alopezie, darunter Telogen Effluvium und androgenetischen Haarausfall.

Experten-Tipp: Eine genaue Diagnose und die Behandlung von Schilddrüsenproblemen – oft durch Medikamente oder eine Anpassung der Ernährung – können den Haarausfall erheblich verbessern.

Prolaktin: Einfluss auf den Haarzyklus

Prolaktin, bekannt für seine Rolle bei der Brustentwicklung und Laktation, kann auch den Haarwachstumszyklus beeinflussen. Hohe Prolaktinspiegel können das Wachstum der Haarschäfte hemmen und die Wachstumsphase (Anagenphase) verkürzen.

Wichtig zu wissen: Extreme Prolaktinspiegel, bekannt als Hyperprolaktinämie, sind selten, aber sie können signifikante Auswirkungen auf den Haarausfall haben.

Fazit:

Hormonelle Ursachen für Haarausfall sind komplex und vielfältig. Eine frühzeitige Diagnose und ein ganzheitlicher Ansatz – einschließlich medizinischer Behandlungen und Lebensstiländerungen – sind entscheidend, um das Problem an der Wurzel zu packen.

Dopamin: Das Wohlfühlhormon mit Schattenseiten

Dopamin, oft als “Glückshormon” bezeichnet, wird bei angenehmen Erlebnissen ausgeschüttet. Doch hohe Dopaminspiegel können sich negativ auf das Haarwachstum auswirken. Laborstudien zeigen, dass Dopamin die Haarfollikel dazu anregen kann, frühzeitig in die Katagenphase (Übergangsphase) einzutreten. Dies führt nicht nur zu einem Wachstumsstopp, sondern kann auch die Melaninproduktion in den Haarfollikeln reduzieren, was die Haarpigmentierung und -struktur beeinträchtigt.

Experten-Tipp:

Stress oder eine übermäßige Aktivierung des Belohnungssystems können die Dopaminproduktion erhöhen. Ein ausgewogener Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung und genügend Schlaf hilft, Dopamin auf einem gesunden Niveau zu halten.

Galanin: Ein Hormon mit unerwarteter Wirkung

Galanin, ein Hormon mit vielfältigen Funktionen wie der Regulierung von Lernen, Schmerzempfinden und Appetit, kann ebenfalls das Haarwachstum hemmen. Studien legen nahe, dass Galanin die Wachstumsphase (Anagenphase) verkürzt und das Längenwachstum des Haarschafts reduziert.

Wichtig zu wissen: Während die Forschung zu Galanin und Haarausfall noch in den frühen Stadien ist, zeigen erste Ergebnisse, dass dieses Hormon das Potenzial hat, das Haarwachstum negativ zu beeinflussen.

Fazit:

Auch weniger bekannte Hormone wie Dopamin und Galanin können eine Rolle beim Haarausfall spielen, indem sie den Haarzyklus stören und das Haarwachstum einschränken. Eine ganzheitliche Betrachtung, die hormonelle, genetische und Umweltfaktoren einschließt, ist entscheidend für die effektive Behandlung hormonell bedingten Haarausfalls.

Welche Hormone fördern das Haarwachstum bei Frauen?

Zum Glück gibt es Hormone, die das Haarwachstum aktiv unterstützen. Diese Hormone fördern die Aktivität der Haarfollikel und tragen dazu bei, die Gesundheit und das Wachstum Ihrer Haare zu erhalten:

Östradiol und andere Östrogene

Östradiol, das wichtigste weibliche Sexualhormon, hat eine positive Wirkung auf das Haarwachstum. Gesunde Östradiol- und Östrogenspiegel unterstützen die Haarfollikel dabei, ihre normale Wachstumsrate beizubehalten.

Während der Schwangerschaft steigen die Östrogenspiegel, was die Anagenphase (Wachstumsphase) des Haarzyklus verlängert. Viele Frauen berichten in dieser Zeit von vollerem, kräftigerem Haar und reduziertem Haarausfall. Nach der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre sinken die Östrogenspiegel jedoch, was zu hormonell bedingtem Haarausfall führen kann, da das Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Sexualhormonen gestört wird.

Progesterone

Progesteron, ein essentielles Hormon für die weibliche Fortpflanzung, spielt auch eine Rolle beim Schutz der Haare. Es hemmt die Ausschüttung des luteinisierenden Hormons, wodurch die Produktion bestimmter Androgene begrenzt wird.

Darüber hinaus verringert Progesteron die Umwandlung von Testosteron in DHT (Dihydrotestosteron) auf Follikelebene. Höhere Progesteronspiegel können so die Entwicklung des weiblichen androgenetischen Haarausfalls verhindern.

Experten-Tipp:

Ein hormonelles Gleichgewicht durch eine ausgewogene Ernährung und gezielte Nahrungsergänzungsmittel kann Progesteronspiegel stabil halten.

Melatonin und Noradrenalin

Melatonin, bekannt als “Schlafhormon”, hat ebenfalls Einfluss auf das Haarwachstum. Es kann die Wachstumsrate in der Anagenphase steigern und oxidativen Stress reduzieren – ein Faktor, der bei Alopezie wie Alopecia Areata und Telogen Effluvium eine Rolle spielt.

Noradrenalin, ein Hormon und Neurotransmitter, stimuliert die Melatoninproduktion. Studien zeigen, dass die Anwendung von Melatonin-Lösungen bei Frauen mit androgenetischer Alopezie vielversprechend ist: Nach einem Monat sank der Haarausfall bei 59 % der Patientinnen, und nach drei Monaten bei 66 %.

Fazit:

Hormone wie Östradiol, Progesteron und Melatonin sind Schlüsselfaktoren für gesundes Haarwachstum. Die Unterstützung und Balance dieser Hormone durch Lebensstiländerungen, eine angepasste Ernährung und gegebenenfalls medizinische Behandlungen können das Haarwachstum fördern und Haarausfall vorbeugen.

Somatotropin (Wachstumshormon): Seine Bedeutung für das Haarwachstum

Somatotropin, auch bekannt als menschliches Wachstumshormon (HGH), ist entscheidend für das Haarwachstum. Es fördert die Aktivität der Haarfollikel und unterstützt die Wachstumsphase des Haarzyklus.

HGH und Haarwachstum: Ein Überschuss an Wachstumshormon kann bei Frauen zu unerwünschtem Haarwuchs am Körper führen, was die Wirkung von HGH auf Haarfollikel unterstreicht. Gleichzeitig kann ein Mangel an Wachstumshormon oder dessen gestörter Signalweg Haarverlust begünstigen.

Laron-Syndrom und Haarausfall: Eine seltene Erkrankung namens Laron-Syndrom führt zu Alopezie, da Mutationen in den Wachstumshormon-Rezeptoren die Produktion von Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) hemmen. IGF-1 ist essenziell für die Aufrechterhaltung der Anagenphase (Wachstumsphase) des Haarzyklus. Ein Defizit führt zu spärlichem Haarwachstum und vermehrtem Haarausfall. Dieses Syndrom ist jedoch extrem selten, mit nur etwa 250 bekannten Fällen weltweit.

Hormonelle Veränderungen und Haarausfall: Wann sind Frauen am anfälligsten?

Hormonelle Schwankungen im Lebensverlauf können Frauen zu bestimmten Zeiten anfälliger für hormonellen Haarausfall machen:

  • Fortpflanzungsalter: Schilddrüsenprobleme können in diesem Alter auftreten und sowohl die Fruchtbarkeit als auch das Haarwachstum beeinträchtigen.
  • Schwangerschaft: Postpartaler Haarausfall (Telogen Effluvium) ist nach der Geburt sehr häufig.
  • Perimenopause und Menopause: Sinkende Östrogenspiegel lösen Haarausfall aus, der zur Entwicklung von FPHL (Female Pattern Hair Loss) und sogar zu Gesichtsbehaarung führen kann.

Hormonersatztherapie (HRT) gegen Haarausfall

HRT kann Frauen in den Wechseljahren helfen, hormonellen Haarausfall zu bekämpfen, indem sie den Östrogen- und/oder Progesteronspiegel ausgleicht. Wenn eine Standard-HRT-Therapie nicht ausreicht, können Antiandrogene wie Spironolacton zur Unterstützung verschrieben werden.

Weitere Ursachen für Haarausfall bei Frauen

Hormonelle Faktoren sind nicht die einzigen Gründe für Haarausfall. Andere häufige Ursachen sind:

  • Nährstoffmangel: Eine unausgewogene Ernährung kann das Haarwachstum beeinträchtigen. Vitamine wie Biotin, Eisen und Vitamin D sind essenziell.
  • Schädliche Stylinggewohnheiten: Übermäßige chemische Behandlungen oder Hitzestyling schwächen das Haar.
  • Plötzlicher Gewichtsverlust: Intensive Kalorienrestriktionen können Haarfollikel energetisch unterversorgen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Chemotherapie, Antidepressiva oder Antibiotika können Haarausfall auslösen.
  • Gesundheitsprobleme: Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) oder Lupus führen ebenfalls oft zu Haarausfall.

Fazit:

Das Zusammenspiel von Wachstumshormonen, Lebensphasen und äußeren Faktoren macht Haarausfall bei Frauen komplex. Ein ganzheitlicher Ansatz, der Ernährung, Pflege und medizinische Betreuung kombiniert, ist entscheidend, um Haarausfall effektiv zu behandeln und das Haarwachstum zu fördern.

Behandlung von hormonell bedingtem Haarausfall

Hormoneller Haarausfall bei Frauen kann komplex sein, da oft mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Die Behandlung erfordert in der Regel eine Kombination aus hormoneller Regulierung, Stressbewältigung und gezielten medizinischen Maßnahmen. Hier sind einige bewährte Methoden:

1. Antiandrogene Medikamente

  • Spironolacton und andere Antiandrogene reduzieren die Spiegel von DHT (Dihydrotestosteron) und Testosteron. Dadurch wird das Risiko und die Wirkung des weiblichen androgenetischen Haarausfalls minimiert.
  • Wirkung: Diese Medikamente verlangsamen die Miniaturisierung der Haarfollikel und fördern ein gesünderes Haarwachstum.

2. Hormonersatztherapie (HRT)

  • HRT hilft, die Östrogenspiegel auf prämenopausale Werte anzuheben, was die Auswirkungen hormoneller Schwankungen während der Wechseljahre reduziert.
  • Tipp: Eine HRT sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um Nebenwirkungen zu minimieren.

3. Stressbewältigung

  • Stress erhöht den Cortisolspiegel, was zu Haarausfall beitragen kann. Maßnahmen wie Gesprächstherapie, Entspannungsübungen und Medikamente, die die Cortisolproduktion hemmen (z. B. Ketoconazol), können helfen, den Stress zu reduzieren.
  • Zusatznutzen: Ein niedriger Cortisolspiegel fördert nicht nur das Haarwachstum, sondern verbessert auch die allgemeine Gesundheit.

4. Behandlung von Schilddrüsenstörungen

  • Schilddrüsenprobleme können Haarausfall verursachen. Die Behandlung umfasst:
    • Antithyreotika: Zur Regulierung einer Überfunktion.
    • Betablocker: Um Symptome wie Herzrasen zu lindern.
    • Operation: Bei schwerwiegenden Fällen kann eine teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse erforderlich sein.
  • Eine genaue Diagnose und kontinuierliche Überwachung sind entscheidend für den Erfolg der Therapie.

5. Schlafregulierung und Melatoninproduktion

  • Ausreichend Schlaf unterstützt die Produktion von Melatonin, einem Hormon, das das Haarwachstum fördert und oxidativen Stress reduziert.
  • Tipp: Eine geregelte Schlafenszeit und die Vermeidung von Bildschirmen vor dem Schlafengehen können Ihren Schlafrhythmus verbessern.

Fazit:

Die Behandlung von hormonellem Haarausfall erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medizinische als auch lebensstilbedingte Faktoren berücksichtigt. Konsultieren Sie bei anhaltendem Haarausfall einen Dermatologen oder Endokrinologen, um eine maßgeschneiderte Therapie zu entwickeln, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Quellen:

  1. Weiblicher Haarausfall: Eine retrospektive Studie in einem tertiären Überweisungszentrum
  2. Hormonelle Therapie bei weiblichem Haarausfall
  3. Hormonelle Effekte auf Haarfollikel
  4. Stress und der Haarwachstumszyklus: Cortisol-induzierte Störung des Haarwachstums
  5. Haar-Cortisol-Konzentrationen sind mit der Haarwuchsrate assoziiert
  6. Trauer, depressive Symptome und körperliche Gesundheit bei kürzlich verwitweten Ehepartnern
  7. Haarausfall und Hyperprolaktinämie bei Frauen
  8. Einfluss von Schilddrüsenstörungen auf Haarausfälle
  9. Schilddrüsenhormone und Haarwachstum
  10. Schilddrüsenhormone verändern direkt die Funktionen des menschlichen Haarfollikels: Verlängerung der Anagenphase und Stimulation sowohl der Proliferation der Haarmatrix-Keratinzyten als auch der Haarpigmentierung
  11. Thyreotropin-releasing Hormon (TRH): Ein neuer Faktor in der Kontrolle des menschlichen Haarwachstums
  12. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23176199/Dopamin ist ein neuartiger direkter Induktor von Catagen in menschlichen Kopfhaarfolikeln in vitro
  13. Das Neuropeptid Galanin ist ein neuartiger Hemmer des menschlichen Haarwachstums
  14. Östrogene und menschliches Kopfhaarwachstum – Noch immer mehr Fragen als Antworten
  15. Wachstumshormon und der menschliche Haarfollikel
  16. Laron-Syndrom
  17. Melatonin erhöht die Anagen-Haarrate bei Frauen mit androgenetischer Alopezie oder diffuser Alopezie: Ergebnisse einer Pilotstudie mit randomisierter Kontrollgruppe
  18. Topisches Melatonin zur Behandlung der androgenetischen Alopezie

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